Rezension zum Buch von Boris Cyrulnik: „Die Kraft, die im Unglück liegt“,
Goldmann Verlag. Deutsche Erstausgabe im Mai 2001.
In diesem Buch beschäftigt sich der Autor nicht nur mit dem Thema der traumatisierten Kindheit, sondern zeigt anhand zahlreicher Beispiele erfolgreicher „Überlebender“ und deren Überlebensstrategien die Entwicklung zum Erwachsenen. Für diese Studien, die über 20 Jahre hin durchgeführt wurden, suchte der Autor nach Geschichten außerhalb der Arztpraxen.
Boris Cyrulnik, französischer Neurologe und Psychotherapeut mit dem Schwerpunktgebiet Psychologie und Verhaltenslehre, will in diesem Buch aufzeigen, dass nicht zwangsweise eine Wiederholung stattfinden muss, sondern auf welch unterschiedlichste Weise Verarbeitung erfolgt. Sobald sich der Betroffene nach der Frage: „warum ausgerechnet ich?“ mit der Frage: „...und was mache ich jetzt mit meiner Verletzung?“ zu beschäftigen beginnt, kann der Schicksalsschlag ein enormes Lebenspotential freilegen, das eine Vielzahl an Möglichkeiten bereithält, Mangel in Fülle und Schwächen in Kraft zu verwandeln.
Boris Cyrulnik berichtet unter anderem, wie unerlässlich in der Bearbeitung des Traumas die Kunst ist. Im künstlerischen Ausdruck darf die Komplexität einer Geschichte ohne Gefahr erzählt und werden, denn die Intensität des Traumas bleibt so lange im Gedächtnis gespeichert, solange es durch Geheimhaltung isoliert und somit abgespalten werden muss, weil „danach“ keiner die Wahrheit hören will. Der künstlerische Ausdruck wird hier als Sieg über den Tod interpretiert.
Meine Meinung dazu: Das Buch ist anspruchsvoll geschrieben und wendet sich an Leser, die mit der Materie vertraut sind. Ich persönlich kann dieses Buch als wertvolle Ergänzung und vorbildhafte Hilfestellung empfehlen, wenn es darum geht, Menschen bei der Bewältigung Ihres Schicksals zu begleiten.
Edith Sandhofer-Knoche
Mal- und Gestaltungstherapeutin mit Schwerpunkttätigkeit im Kommunikationstraining, Job-Coaching und Schmerztherapie