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"MGT im
Nest" |
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Vor sechs Jahren entstand
im Zuge unserer Lehrertätigkeit in einem sonderpädagogischen Zentrum
die Idee einer Spezialklasse für Kinder mit introvertiert-
neurotischen Symptomen. Es war uns immer wieder aufgefallen, dass es außer
den aggressiven Kindern auch solche gibt, die durch ihre seelische Not
zu einer - für die Lehrpersonen zwar nicht unangenehmen, aber für sie
selbst umso gefährlicheren - Verhaltensauffälligkeit neigen. Sie
richten ihre Aggressionen nach innen und sind nicht in der Lage, Ängste,
Sorgen und Schmerzen zu artikulieren.
Zeigen die Lauten, dass sie zumindest noch über Ressourcen verfügen, ihre Kräfte zu mobilisieren und auf diese Weise Beachtung erzwingen, so sind die Verstummten in ihrem Schweigen gefangen und haben sich aufgegeben. Sie stören und klagen nicht, dennoch leiden sie tief unter ihrer seelischen Emigration. Einsam leben sie in ihrer eigenen Welt. Autoaggression und Minderwertigkeitsgefühle können bis zur Suizidgefährdung führen. Die Ursachen sind vielfältig: Jede Art von Gewalt (seelisch, körperlich, sexuell), Suchtverhalten, Beziehungsprobleme oder Trennung der Eltern, Vernachlässigung und Verwahrlosung, Entwurzelung durch ein Flüchtlingsschicksal; all dies kann zu emotionaler Deprivation und tiefgreifenden Störungen führen. Doch auch Überbehütung, ehrgeizige Überforderung oder unaufgelöste Symbiose mit der Mutter wirken sich möglicherweise ähnlich aus.
Wir nannten unsere neugegründete Klasse das „NEST". Ziemlich bald beschlossen wir, nur Mädchen aufzunehmen Aus der Rolle der Frau ergibt sich nämlich,- bedingt durch die patriarchalischen Strukturen unserer Gesellschaft - dass Mädchen fast immer leer ausgehen, wenn es darum geht, bemerkt zu werden. Im Klassenzimmer spiegelt sich wider, was auch sonst überall gesellschaftliches Leben bestimmt:
Die Vorgangsweise unserer
Arbeit in der Nestklasse kann man in vier Phasen, die natürlich
bei jedem Kind unterschiedlich lang sind, gliedern:
Die
Phasen durchdringen einander oft. Schon zu Beginn merkten wir, dass unsere bisherigen pädagogischen und therapeutischen Mittel ( wie Psychodrama, Theater, Musik...) nicht ausreichten, um die Angst und Verschlossenheit unserer teilweise mutistischen Nest-Kinder zu durchbrechen, an ihr Inneres heranzukommen.
Erst die Mal - und
Gestaltungstherapie bot uns eine Möglichkeit zu tiefer
Kontaktaufnahme. Die Sinne des Mensche sind "Brücken zur
Seele", Wege zum Geist, wie Aristoteles sagt. Pestalozzi spricht
von künstlerischer Tätigkeit als einem "allgemeinen
Menschenrecht". Therapeutisches
Malen und Gestalten hat ein weites Anwendungsgebiet bei allen Störungen
der Umweltbeziehung. Wie weit sich Kinder "Bilder" machen können
von Menschen, Dingen und Geschehnissen, so weit können sie sich mit
der Welt - wieder - sinnvoll verbinden. Sprachgehemmte Kinder bekommen
ein Mittel in die Hand ( im buchstäblichen Sinn !), sich in
Symbolsprache auszudrücken, ohne Angst vor offener Selbstdarstellung
haben zu müssen. Das Werkzeug Mal- und
Gestaltungstherapie ist wie ein Zauberstab, der die Herzen der Kinder
öffnet.
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