Diese Diplomarbeit untersucht, wie innere Emanzipationsprozesse von Frauen durch mal- und gestalttherapeutische Methoden in jungianischer Tradition im Gruppensetting sichtbar gemacht und gefördert werden können. Anhand eines einjährigen Praxisprojekts und des Fallbeispiels Joana zeigt sich, dass innere Emanzipation als leiser, schrittweiser Prozess innerhalb der Individuation verläuft. Im weiblichen Individuationsprozess übernimmt dabei der Schutz eine zentrale Parallelfunktion: Er stärkt das Ich und ermöglicht erst die behutsame Lösung aus überidentifizierten Rollen, ohne Beziehung oder innere Stabilität zu gefährden. Innere Emanzipation und Individuation sind damit nicht getrennte Prozesse, sondern unterschiedlich akzentuierte Bewegungen derselben Selbstwerdung, bei der geschlechtsbezogene Sozialisation, relationale Bindungen und schattenhafte Anteile bewusst integriert werden. Das Frauensetting sowie die Einbindung von Körperarbeit erwiesen sich dabei als zentrale Wirkfaktoren, um diese Prozesse erfahrbar und tragfähig zu machen.